Menschen haben das „Projekt Versöhnung 2016“ mit mehr als 70 000 Kronen unterstützt

13.10.2016 12:56

Siebzig Jahre nach dem Ende der sog. organisierten Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei wurden mehr als 70 000 Kronen als Spenden von tschechischen Bürgern für ein Projekt gesammelt, das eine Reflexion der gemeinsamen Vergangenheit und gute deutsch-tschechische Beziehungen in der Zukunft anstrebt.

„Es freut uns riesig, dass sich die Ansicht der Tschechen auf die Aussiedlung (im ersten Nachkriegsjahr eher Vertreibung) der Deutschen ändert. Das zeigt auch, dass Menschen bereit sind, das Projekt Versöhnung 2016, das wir für Zeitzeugen der Vertreibung organisieren, finanziell zu unterstützen“, sagt eine der Organisatorinnen des Projekts Vlaďka Vojtíšková.

Prag, 13. 10. 2016: Das Projekt Versöhnung 2016 besteht aus drei Teilen – einer Debatte, einer Wanderausstellung und einem Konzert. Zu dem Konzert haben die Organisatoren  – Sdružení Ackermann-Gemeinde und der Verein Antikomplex – auch die Zeitzeugen der Vertreibung und ihre Nachkommen eingeladen. „Über 60 Zeitzeugen und ihren Nachkommen aus ganz Deutschland haben sich bei uns gemeldet, ihre Reaktion auf unsere Einladung war unglaublich positiv“, sagt die Geschäftsführerin der Sdružení Ackermann-Gemeinde Eva Engelhardt.

Gerade wegen der hohen Zahl der Zeitzeugen, die gerne nach Prag kommen würden, haben die Organisatoren eine Crowdfunding-Sammlung für das Konzert der Versöhnung 2016 veranstaltet. „Als eine Geste unserer Bemühungen, den Zeitzeugen ein anderes Gesicht zeigen, als das, an das sie beispielsweise in den 90er Jahren meistens gewöhnt waren, wollen wir allen Teilnehmer Unterkunft und Verpflegung anbieten“,  erklären Vojtíšková und Hana Špirková, die auch wegen ihren sudetendeutschen Wurzeln an dem Projekt teilnimmt. „Die Sammlung haben wir nicht nur deswegen organisiert, um alle Kosten zu decken, sondern auch in gespannter Erwartung, ob es uns gelingt, die tschechische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass wir eine solche Veranstaltung brauchen. Die Zeitzeugen würden sich sicher sehr darüber freuen, dass das Projekt nicht nur von Stiftungen und Institutionen, sondern auch von Privatspendern finanziell unterstützt wurde“, so Špirková.

Ein wichtiger Teil des Projekts ist auch die Wanderausstellung, die von dem Verein Antikomplex vorbereitet wird. Die Ausstellung soll Beispiele von Freundschaft und der Zusammenarbeit von 7 deutschen und 7 tschechischen Familien zeigen, die durch ein Haus verbunden sind, in dem die ersten vor dem Krieg gewohnt haben und die zweiten es heutzutage bewohnen. Einige der präsentierten Schicksale werden auch in der Radiosendung  „Geschichten des 20. Jhd“ im Tschechischen Rundfunk Plus, Medienpartner der Veranstaltung, zu hören sein. „Wir würden gerne den Menschen zeigen, dass sie keine Angst haben müssen die Tür zu öffnen, wenn ein deutscher Besucher kommt. Dass wenn sie die Angst vor dem Mythos der „bösen Sudetendeutschen“, die ihre Häuser und Wochenendhäuser beanspruchen, überwinden, können sie normale Beziehungen mit den ursprünglichen Bewohnern führen bzw. Freundschaften schließen und sich gegenseitig besuchen – einigen Menschen ist das schon gelungen“,  ergänzt Terezie Vávrová, Direktorin des Vereins Antikomplex, zu der Ausstellung, die im November in der Nationalen Technischen Bibliothek und anschließend in weiteren tschechischen Städten zu sehen sein wird.

„Unser Projekt ist keine politische Deklaration, trotzdem würde ich mich freuen, wenn es auch zu einer Änderung der Einstellungen einiger Politiker führen würde. Damit sie die Angst verlieren, beispielsweise nach Postoloprty zu fahren, um unschuldigen Opfern der Nachkriegsmassaker zu gedenken, genauso wie der deutsche Bundespräsident die Gedenkstätte Lidice besucht hat, um die Opfer zu gedenken. Mein persönlicher Wunsch wäre auch, dass es zu einer deklaratorischen Aufhebung des sog. Amnestie-Gesetzes Nr. 115/1946 GBl. kommt, das vor 70 Jahren gebilligt wurde, und in Folge dessen die Verbrechen an der vertriebenen Zivilbevölkerung einschließlich Frauen und Kindern nie bestraft worden sind“, so Vojtíšková.

Informationen zum Projekt:

Das Projekt „Versöhnung 2016“  besteht aus drei Teilen:

1.   Einer Debatte, die am Mittwoch, den 2. 11., ab 18:00 Uhr im Kino BIO OKO, Františka Křížka 15, Prag 7, stattfindet. An der Debatte nehmen u.a. der Historiker Matěj Spurný, der Bürgermeister von Prag 7 und der ehemalige Geschichtslehrer Jan Čižinský und der Regisseur David Vondráček teil.

2.   Dem Konzert der Versöhnung mit einem eigens für die Veranstaltung komponierten Stück von Eliška Cílková, Trägerin des AHUV Preis für Komponisten unter 30 Jahren, und einer Kunstinstallation von Josefína Jonášová, Gewinnerin des Rektorenpreises der Akademie der Künste. Beides findet am Samstag, den 5.11. um 19:30 in der St.-Anthonius- Kirche auf Strossmayerovo náměstí, Prag 7 statt. Unter den Gästen sind auch die Zeitzeugen und deren Nachkommen, die nach Prag eingeladen worden sind.

3.  Der Ausstellung „Unter einem Dach“, in der der Verein Antikomplex die Geschichten von 7 deutsch-tschechischen Freundschaften präsentiert – Freundschaften zwischen Vertriebenen und Neusiedlern, die sich trotz der Schwierigkeiten der Geschichte durch das gemeinsame Interesse für ein Haus oder eine Ortschaft entwickelten. Die Ausstellung wird bei dem Konzert der Versöhnung feierlich eröffnet, dann wird die in der Nationalen Technischen Bibliothek, Prag 6 zu sehen. Später wird sie als Wanderausstellung in verschiedenen tschechischen Städten gezeigt. Einige der präsentierten Schicksale werden auch in der Radiosendung „Geschichten des 20. Jhd“ im Tschechischen Rundfunk Plus, Medienpartner der Veranstaltung, zu hören sein.

 

Kontakt für Medien:
Vlaďka Vojtíšková, Hana Špirková: smireni2016@gmail.com

Telefon: 776 393 717, 721 931 877

 

Sdružení Ackermann-Gemeinde: sdruzeni@ackermann-gemeinde.cz

http://www.ackermann-gemeinde.cz/projektsmireni2016/

 

Antikomplex: vavrova@antikomplex.cz

http://www.antikomplex.cz/smireni-2016.html