Solidarität in Familie und Gesellschaft – Jahreskonferenz der Sdružení Ackermann-Gemeinde vom 26.-28.02.2016 in Prag

22.03.2016 13:28

Solidarität ist angesichts aktueller politischer wie gesellschaftlicher Entwicklungen ein hochaktuelles Thema in Tschechien und Deutschland. Solidarität existiert auf verschiedenen Ebenen – in der Familie und durch Individuen sowie durch Institutionen in der Gesellschaft. Nicht nur jeder Einzelne lernt Solidarität, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes. Welche Rolle hat die Familie als kleinste Zelle des menschlichen Zusammenlebens und wie wichtig ist sie für die ethische Zukunft der Gesellschaft?

 

Mit diesen und weiteren Fragen hat sich die Konferenz „Solidarität in Familie und Gesellschaft“ der Sdružení Ackermann-Gemeinde vom 26.-28. Februar 2016 in Prag auseinandergesetzt. Das vielfältige Programm der diesjährigen Konferenz hatte zum Ziel, die Frage der Solidarität aus  verschiedenen Perspektiven – philosophisch, soziologisch sowie theologisch – zu erörtern. Neben den Vorträgen der deutschen und tschechischen Redner und den anschließenden Podiumsdiskussionen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit  am Konferenzsamstag ein praxisnahes Nachmittagsprogramm mit dem Titel „Gelebte Solidarität – Solidarität in der Praxis“ wahrzunehmen.

 

Das Konferenzprogramm wurde am Freitag von Dr. theol. Petr Křížek, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SAG, eröffnet. Der erste Vortrag von Dr. Eike Bohlken, Dozent an der Universität Tübingen, erörterte den Begriff der Solidarität aus philosophisch-politischer Perspektive. Die Differenzierung von verschiedenen Formen von Solidarität und die Hervorhebung unterschiedlicher Rahmenbedingungen für deren Ausübung, boten eine gute Grundlage für Diskussionen und die weitere Auseinandersetzung mit dem Begriff.  Ing. Libor Prudký und doc. Ing. Aleš Opatrný, Th.D. von der Karlsuniversität in Prag sowie PhDr. Josef Zeman, der ehemalige Direktor des Zentrums für Familie in Brünn, fokussierten ihre Beiträge auf das Konzept und die Rolle der Familie und deren Wichtigkeit für das Erlernen und Ausüben von Solidarität. Die rege Beteiligung der Zuhörer bei den anschließenden Podiumsdiskussionen illustriert die Aktualität des Themas und zeigt einen Bedarf auf, sich auch nach der Konferenz kritisch damit auseinanderzusetzen und unterschiedliche Positionen zu reflektieren. Unter anderem die aufgeworfene Frage, ob Solidarität als Säule der Gesellschaft verstanden werden kann oder ob sie vielmehr aus den Individuen heraus existiert, zeigt, dass sie noch keiner universellen Definition unterliegt.

 

Der Samstagnachmittag stand ganz im Zeichen gelebter Solidarität. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit zwischen drei Programmpunkten zu wählen. Die erste Gruppe nahm an einer Stadtbesichtigung unter der Führung von Obdachlosen teil. Das Projekt Pragulic hat zum Ziel Vorurteile gegenüber Obdachlosen abzubauen und ihnen damit die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern (http://pragulic.cz/). Im Rahmen einer Besichtigung wurde der zweiten Gruppe vor Ort die Arbeit des Kolpinghauses, einer Asylunterkunft für Mütter mit ihren Kindern nähergebracht (http://www.kolpingpraha.cz). Im Konferenzsaal des Hotels fanden Vorträge über die Flüchtlingsarbeit in Tschechien statt. Hier präsentierte die Diakonie der Böhmischen Kirche der evangelischen Brüder (www.spolu.diakonie.cz) sowie die Organisation Generace 21 (http://www.gen21.cz/) ihre Arbeit und Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen. Alle vier vorgestellten Projekte dienten als Beispiele, wie jeder Einzelne Solidarität gegenüber seinen Mitmenschen ausüben und unterstützen kann.

 

Neben den zahlreichen thematischen Programmpunkten, bot die Veranstaltung eine Plattform für ein interessantes deutsch-tschechisches Zusammentreffen. So waren beispielsweise der gemeinsam gefeierte Gottesdienst zusammen mit Mitgliedern von Spirála und auch die Verleihung des Ehrenvorsitzes der SAG an Frau Helena Faberová am Samstagabend für die Teilnehmer ein festlicher und gleichzeitig gemütlicher Ausklang der anstrengenden Konferenztage.

 

Im Rahmen der Konferenz fand außerdem eine Mitgliederversammlung statt, bei der u.a. ein neuer Vorstand gewählt wurde. Der tschechische Kulturminister Mgr. Daniel Herman wurde als Vorstandsvorsitzender wiedergewählt. Als geistlicher Beirat wurde Pater Dr. Martin Leitgöb von den Mitgliedern bestätigt.

 

Wir möchten Ihnen allen auch die Möglichkeit geben, die Hauptvorträge nochmals zu lesen. Wir danken den Referenten, dass sie uns ihre Materialien zur Verfügung gestellt haben.

Sie können folgende Dokumente herunterladen:

 

Solidarität als eines der Grundprinzipien in der Gesellschaft

PD Dr Eike Bohlken, Universität Tübingen

 

Familie heute – Herausforderungen und Chancen

doc. Ing. Aleš Opatrný, Th.D. Karlsuniversität Prag

 

Familie als ein Raum zum Erlernen von Solidarität mit den Nächsten aber auch mit den Anderen

PhDr. Josef Zeman, Direktor des Zentrums für Familie in Brünn, a.D.

 

 

Verfasserin: Hannah Schmitz