Versöhnung 2016: junge Tschechen hießen die Vertriebenen willkommen

09.11.2016 13:24

Mehr als 90 Zeitzeugen aus der Nachkriegszeit sind gemeinsam mit ihren Verwandten am Samstag, dem 5. November, für das Projekt Versöhnung nach Prag gekommen. Manche stammten sogar aus dem Prager Stadtteil Holešovice (Prag 7), wo die Veranstaltung stattgefunden hat. Das Versöhnungswochenende war daher für sie ein ganz besonders bewegendes Ereignis. Jetzt wurden sie nicht aus Prag vertrieben, sondern freundlich begrüßt von dem tschechischen Kulturminister Daniel Herman, dem Bürgermeister von Prag 7 Jan Čižinský und vielen Tschechen, die in die Kirche zu dem Versöhnungskonzert kamen. Auch der Landesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Bayern und stellvertretende Bundesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft Steffen Hörtler war Gast bei dem Konzert.

 

Das Projekt „Versöhnung 2016“ bestand aus mehreren Veranstaltungen: einer Debatte zum Thema Vertreibung im Kino BIO OKO, das nach dem 2. Weltkrieg auch als Sammelplatz für die Deutschen diente; dem Versöhnungskonzert mit einer Kunstinstallation von Josefína Jonášová, für welches die junge und anerkannte Komponistin Eliška Cílková ein Stück komponierte und der Ausstellung „Unter einem Dach“. Dazu wurden noch zwei Zeitzeugengespräche mit Schülern organisiert und eine heilige deutsch-tschechische Messe am Sonntag in der Sankt-Antonius-Kirche in Prag 7.

Das Projekt „Versöhnung 2016“ wurde von jungen Menschen aus Tschechien initiiert. Es ist in Zusammenarbeit mit dem Verein Antikomplex und der Sdružení Ackermann-Gemeinde entstanden. Die Idee stammt von Vlaďka Vojtíšková, einer frischgebackenen Mutter, die Tiermedizin und Journalismus studiert hat:

„Ich habe vor sechs Jahren in Dresden studiert. Dort traf ich einige Vertriebene und habe mit ihnen über ihre Erinnerungen gesprochen. Das hat mich sehr betroffen, weil ich zuvor darüber nicht viel wusste.“

Schon damals kam Vlaďka auf die Idee eines Treffens.

„Ich habe darüber mit meinen Freundinnen, der Bildhauerin Josefína Jonášová und der Komponistin Eliška Cílková, gesprochen. Eliška sagte mir, dass sie gerne ein Stück für die Vertriebenen komponieren möchte. Und Josefína wollte eine Kunstinstallation machen.“

Die beiden Werke wurden bei dem „Konzert der Versöhnung“ in der Sankt-Antonius-Kirche in Prag am Samstag, den 5.11., präsentiert. Außerdem wurde die Ausstellung „Unter einem Dach“ feierlich eröffnet.

 

Die Ausstellung „Unter einem Dach“ die deutsche und tschechische Familien zeigt, welche durch ein Haus verbunden sind. Die Familien lebten dort zu unterschiedlicher Zeit, die ersten vor dem 2. Weltkrieg und die zweiten heute. Aus dieser Verbindung konnten später Freundschaften entstehen. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass sie keine Angst haben müssen, die Tür zu öffnen, wenn ein deutscher Besucher anklopft. Wenn Sie es schaffen, die Mär des ‚bösen Sudetendeutschen‘, der seinen Grund und Boden zurückfordert, zu überwinden, können Sie mit den alten Bewohnern eine normale Beziehung oder Freundschaft aufbauen – es gibt einige Leute, die es geschafft haben, diese zu erhalten“, sagt die Ausstellungsleiterin des Vereins Antikomplex Tereza Vávrová.

 

Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv: „Wir waren begeistert was unter Regie junger Tschechen für eine großartige Veranstaltung organisiert und durchgeführt wurde, es war eine einmalige große Zusammenkunft, insbesondere bei dem Konzert am Sonnabend Abend in der überfüllten Kirche St. Antonius in Prag-Holešovice,” sagte einer der Teilnehmer, Erich Kraus aus Dresden.

 

Medienpartner:
Vlaďka Vojtíšková, Hana Špirková: smireni2016@gmail.com

Telefon: 776 393 717, 721 931 877

 

Sdružení Ackermann-Gemeinde: sdruzeni@ackermann-gemeinde.cz

http://www.ackermann-gemeinde.cz/projektsmireni2016/

 

Antikomplex: vavrova@antikomplex.cz

http://www.antikomplex.cz/smireni-2016.html