Jahreskonferenz der SAG: und was für eine europäische Vision haben sie?

26.02.2019

Visionen und Herausforderungen 1989-2019

"Wir haben ein denkwürdiges Jahr vor uns.", merkt Martin Kastler in seinem Grußwort zur Eröffnung der Jahreskonferenz der SAG am 08. Februar an. Weiter stellt er "die Frage, die uns alle bewegt: wo gehen wir hin? Was wollen wir eigentlich?" Angesichts der Visionen die wir für Europa und die anstehenden Europawahlen haben und den Herausforderungen die durch gemeinsame Geschichte, Klimaschutz, Sicherheit oder Flüchtlinge aufkommen eine wichtige Frage. Die Konferenz der SAG hat sich in diesem Jahr mit einer Antwort darauf beschäftigt. Unter dem Titel "Visionen und Herausforderungen 1989-2019" hielten Anfang Februar prof. Barbara Krause, die Soziologin Jiřina Šiklová und der Geschäftsführer von RENOVABIS Burkhard Haneke verschiedene Vorträge, die sich mit genau diesen Themen beschäftigten.

Barbara Krause freut sich mit den Teilnehmern in ihrem Einführungsvortrag am Freitagabend einen "Dauerlauf durch 70 Jahre Geschichte und einen Blick nach vorne wagen zu dürfen". Sie schildert die Ausgangslage Europas, welches durch zwei Kriege ging und die dadurch geprägten Politiker, deren Herausforderung und Vision es war den Frieden zu verankern und einen weiteren "Krieg möglichst unmöglich zu machen". Weiter beschreibt sie, wie es zur Entstehung der Europäischen Union kam, wie man als Europäer die EU im Alltag erlebt aber auch, welche Spannungsfelder und aktuellen Herausforderungen sich dadurch ergeben. Seien es die Meinungen der Bevölkerung gegenüber Brüssel, der Umweltschutz oder die Sicherheit der Menschen. Barbara Krause betont, der europäische Einigungsprozess sei noch nicht abgeschlossen und wir müssten "für die Vision eines vereinigten Europas" weiterhin arbeiten.

In der anschließenden Diskussion zwischen prof. Barbara Krause und den Teilnehmern geht es viel um die Lösungen der EU für bestimmte Probleme. Auf die Frage, wie die Europäische Union mehr soziale Gerechtigkeit finanzieren möchte oder kann, antwortet sie, dass man Mittel in die EU investieren müsse, um sich langfristig wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Burkhard Haneke wiederum löst eine kleine Debatte um den Euro aus: Inwiefern kann man diesen als ein politisches Projekt sehen? Für prof. Barbara Krause symbolisiert der Euro jedoch viel mehr. Da sie selbst im Grenzbereich zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden aufgewachsen ist und erleben konnte wie einfach der grenzübergreifende Einkauf durch den Euro wurde, sieht sie den Euro eher als eines von vielen Instrumenten der EU um für politische Einigung zu sorgen.

Den Samstag eröffnet PhDr. Jiřina Šiklová mit ihrem Vortrag über die "Wünsche und Sehnsüchte seit dem "Jahr der Freiheit"". Ihr Fazit bezieht sich auf die Frage "Warum ist Europa so klein?" im Vergleich zu anderen Weltmächten wie den USA oder China. Ihrer Meinung nach muss ein Zentrum, das Europa zum Beispiel im Bereich der Kultur früher war, äußerlich nicht groß sein. Für sie zählen die gemeinsamen Werte auf denen unser Zusammenleben in Europa aufbaut. Es ist unsere Aufgabe an diese Werte zu erinnern und danach zu leben um menschlich sein zu können.

"Was für einen europäischen Wunsch haben sie?" mit dieser Frage wurde die folgende Diskussionsrunde eröffnet. Jiřina Šiklová betont in ihrer Antwort, dass vor allem wir als Christen die Menschenrechte auf einer christlichen Basis propagieren sollten und dabei unsere Toleranz gegenüber anderen Religionen, die zum großen Teil gleiche Wurzeln wie der christliche Glauben haben, nicht verlieren sollten. Die weiterführende Frage, warum es so viel Stimmung gegen Flüchtlinge gäbe, begründet sie mit Angst. Uns in Europa geht es sehr gut. Wir haben uns Wohlstand erarbeitet und einen stabilen Frieden aufgebaut und nun Angst dies durch fremde Einflüsse zu gefährden. Dabei sei Flucht ein "menschliches Schicksal", merkt sie an und verweist dabei auf das Neue Testament und die Erzählung der Flucht von Maria und Joseph nach Ägypten.

Auf das Interview der Referentin folgte eine Podiumsdiskussion, bei der prof. PhDr. Jan Sokol betonte, wie wichtig es sei, die Wahrheit zu schützen und wie sehr man nach der Wahrheit suchen müsse, da diese nicht nach dem Prinzip der Mehrheit gefunden werden kann. PhDr. Zuzana Lizcová bestärkte diese Aussage und rief alle dazu auf, mehr auf Minderheiten zu achten und diese zu schützen.

Nicht nur wir in Europa schauen auf das denkwürdige Jahr 2019, sondern auch die SAG. Für den Verein ist es ein Jubiläumsjahr und so wurde bei der Jahreskonferenz am Samstagnachmittag in den Räumen des Břevnover Klosters das 20-jährige Bestehen gefeiert. Im großen Theresianer Saal des Klosters kamen 170 Leute zusammen um gemeinsam an Vergangenes zu erinnern und Wünsche für die Zukunft zu formulieren. Umrandet wurde dies durch die musikalischen Beiträge einer deutsch-tschechischen Familie aus Prag. Nach Grußworten des deutschen Botschafters in Prag Dr. Christoph Israng und P. Ing Miloslav Fiala führte Petr Křížek einige Interviews mit Personen aus der Vereinsgeschichte. Es sprachen unter anderem msgr. Anton Otte, der Vertreter der AG in Prag, Helena Faberová, die Gründungsmitglied der SAG ist, und Matthias Dörr, welcher als Geschäftsführer der AG in München arbeitet und viel mit der SAG kooperiert. Am Schluss der Gespräche sollten sich alle jeweils für ein Schlagwort aus dem deutsch-tschechischen Dialog entscheiden und begründen, wie die SAG durch die gewählte Maßnahme in den letzten 20 Jahren die Beziehungen der beiden Länder verbessern konnte. Verständigung, Begegnung, Versöhnung was ist die beste Methode?

Anschließend wurden die Besucher des Festaktes selbst zum Mitmachen aufgerufen. Beim Quiz der Jugendorganisation Spirála wurde nach Antworten zu kniffligen Fragen über Europa, die SAG oder die Jugendorganisationen gesucht, zwei Filme erinnerten an Vergangene Aktionen, ein Mitglied, P. Dr. Jan Larisch, stellte sein neues Buch vor und ein Raum war mit Fotos zu verschiedenen Veranstaltungen aus den letzten 20 Jahren ausgelegt. Zum Abschluss kam der ereignisreiche Nachmittag nach einem deutsch-tschechischen Gottesdienst in der Klosterkirche bei einem gemeinsamen Bankett.

Burkard Haneke eröffnete mit seinem Vortrag über unsere Verantwortung in Freiheit und Frieden die letzte inhaltliche Programmeinheit der diesjährigen Konferenz. Er definiert zuerst "unsere Verantwortung" beim Thema Frieden: er ruft uns auf politische Enzwicklungen aufmerksam und wachsam zu beobachten, den dauerhaften Frieden nicht als selbstverständlich einzuschätzen und appelliert, diejenigen "Kräfte in unseren Ländern [zu] stärken, die uns nicht national auseinanderdividieren, sondern europäisch zusammenführen". Weiter geht es mit seiner Meinung zu "unsere Verantwortung" beim Thema Freiheit. Obwohl diese mit unserer Menschenwürde einhergeht, sind wir selbst dafür verantwortlich unsere Freiheit immer wieder neu zu gestalten und sie zu verteidigen. Burkhard Haneke schließt seinen Impulsvortrag mit einem Fazit über "unsere Verantwortung" in Bezug auf Europa. Er ruft dazu auf, sich trotz der vielen Uneinigkeiten innerhalb der EU auf die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren und weiter miteinander diskutieren um unsere Herausforderungen zu bestehen und unsere Visionen zu verwirklichen.

Auf dem anschließenden Podium wurde von P. Adolf Pintíř herausgestellt, dass wir uns in Europa nicht von der Angst leiten lassen dürfen und unsere eigene Meinung auch öffentlich äußern sollten. Unterstrichen wurde diese Aussage von PhDr. Miroslav Kunšát, der einen Zerfall unserer Gesellschaft durch Ängste und Bedrohungen fürchtet.

Die abschließende Ansprache hielt der Vorsitzende der SAG, Daniel Herman. Er bedankte sich bei allen Mitwirkenden und Referenten und zitierte PhDr. Jiřina Šiklová mit den Worten "was wertvoll ist, muss nicht immer groß sein und das gilt natürlich auch für uns" als Sdružení Ackermann-Gemeinde.

Die Fotos zur Jahreskonferenz 2019 finden sie hier.