Zurückgedacht: Bericht über die Jahreskonferenz der SAG

15.05.2019 11:34

 

Wir danken dem Verein der Deutschen im Teschner Schlesien für diesen schönen Konferenzbericht in der 32. Ausgabe ihrer "Teschner Nachrichten". Im Folgenden können sie sich noch ein Mal in Erinnerung rufen, um was es bei unserer Jahreskonferenz zum Thema "Visionen und Herausforderungen 1989 - 2019" ging:

 

Konferenz der Sdruženi Ackermann-Gemeinde

vom 08. bis 10. Februar 2019 in Prag

Es kann vorweg festgehalten werden: Ein informativ interessantes und umfangreiches Vortragsprogramm mit Inhalten, die den Meinungsaustausch forderten. - Ein besonderes Lob gebührt dem gesamten Übersetzerteam, das hinsichtlich Technik und Qualität die Grundlagen für das Gelingen der Vorträge und der Meinungsäußerungen dazu sichergestellt hat.

Folgend fasse ich meine Eindrücke aus dem Veranstaltungsprogramm ohne namentliche Aufführung der Vortragenden zusammen:

Unser Europa ist ein sehr komplexes Gebilde, dessen Bestand und weiteres Gedeihen von der Haltung eines von gegenseitiger Achtung getragenen Umgangs abhängig ist und bleibt.

Unter dem Anspruch der christlich geprägten Sozialethik bedarf es ständig korrigierender Eingriffe, um den Völkern Europas ein weitestgehend aufeinander abgestimmtes materielles Auskommen zu sichern.- Zielvorstellung: Europäer/innen sollten den Mindeststandard ihres materiellen Bedarfs notfalls auch einklagen können.

Die institutionellen Gegebenheiten zeigen die aktuellen Bemühungen er politischen Elite immer wieder plakativ auf. Wir als Individuen nehmen Schritte hin zu mehr Gemeinsamkeit anerkennend wahr und heißen neu geschaffene, grenzüberwindende Freiheiten willkommen und nutzen sie in reichlichem Masse. - Und doch: Es bleibt stets ein Rest von Unzufriedenheit, die ihren Nährboden in den ungleichen Verhältnissen der auf ihre Autonomität achtenden Einzelstaaten findet.

In der Tat: Die wirtschaftliche Entwicklung der Einzelstaaten driftet offenkundig mehr und mehr auseinander. Hier der reiche Norden – dort der arme Süden. Die Wirksamkeit der Ausgleichsmechanismen (z.B. Strukturförderprogramme) ist der Allgemeinheit nicht augenscheinlich genug. Unzufriedenheit findet hier wie dort immer wieder die unterschiedlichsten Ausdrucksformen.

Politische Akteure verweisen da gerne auf das gemeinsame Große und Ganze, als da vor allem die verschiedensten Institutionen und deren Sinn und Wirken - subjektiv betrachtet - allzu oft nicht nachvollziehbar erscheint. - Das macht den Kernpunkt jener nicht fassbaren Phänomene aus, die die Staaten Europas einerseits aneinander binden, andererseits einem trennenden Nationalegoismus Vorschub leisten.

Europa, zusammengeführt unter dem Leitmotiv eines möglichst immerwährenden Friedens unter seinen Völkern, fußt auf dem Bestreben, einen am Weltmarkt bestandsfesten Akteur zu schaffen, dessen Nachfragepotential nach Rohstoffen günstigste Einkaufsmöglichkeiten schafft und zugleich weltweite Exportinteressen durch gezielte Handelsabkommen sichert.

So gesehen ist die Schaffung der zwischenzeitlich von einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) zur Europäischen Union(EU) mutierten Staatengemeinschaft zum Musterbeispiel für weltweit gebildete Wirtschaftsblocke geworden. - Heute stehen sich die so geschaffenen Blöcke im Konkurrenzkampf gegenüber. Und leider zeichnet sich mehr und mehr ab, wie knallharte Wirtschaftsinteressen dazu fuhren, eigene Interessen sogar mit militärischen Mitteln rücksichtslos durchzusetzen.

Beispiel: Das Ringen um die Grundausrichtung der Ukraine ist von einem wirtschaftlichen Aspekt zu einer militärischen Aktion ausgeartet.- Hier haben Europa und Amerika ihr an sich friedfertig angelegtes Potential nicht genutzt und es infolge unzureichender Dialogbereitschaft hinnehmen müssen, dass ein Nachbarimperium (Russland) sich bedroht fühlt und sein historisch gewachsenes Einflussgebiet ebenso verteidigt, wie der Adler sein Revier dies in rivalisierenden Luftkämpfen gegen eindringende Rivalen zu behaupten sucht.

In diese unübersichtlich komplexen Verhältnisse hinein vermag eigentlich nur das durch Jesus von Nazareth gelehrte und vorgelebte Vorbild eine Vertrauen schaffende und erhaltende Perspektive zu bieten.- Das beständige Bemühen der Sdruženi Ackermann-Gemeinde bedarf des Lobes und der regen Unterstützung ihrer Vertrauen schaffenden Aktivitäten. Dazu gehört auch die Organisation von Begegnungen, die Wege zur Versöhnung eröffnen, um schließlich eben jene Verständigungsbereitschaft zu schaffen, die die aussichtsreichste Grundlage für das Zusammenwachsen der europäischen Staaten gewährleistet.

Nach Bewältigung des Samstagsprogramms fand in der Basilika des Klosters Břevnov ein deutsch-tschechischer Gottesdienst statt.

Aspekte aus der Geschichte des Klosters:

Mit Heiligung des Klostergebäudes im Jahre 993 n. Chr. gilt dieses als das älteste männlich geführte Kloster Tschechiens. Zuvor hatte Bischof Vojtech im Benediktinerkloster der Heiligen Alexius und Bonifacio zu Aventino (Italien) sein Gelübde abgelegt. In Begleitung von 12 Glaubensbrüdern gründeten diese die Klostergemeinschaft und legten den Grundstein für die ersten Klostergebäude.

1420 fielen die Gebäude einem Feuer zum Opfer; erst im 16. Jahrhundert wurden sie wiederhergerichtet.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde es unter Abt Otmar Zinke künstlerisch im barocken Stil ausgestaltet und schon 1757 belagerte die preußische Armee Prag vom 6. Mai bis 20. Juni. In dieser Zeit wurde das Prag vorgelagerte Kloster besetzt und die Kirche als Stall und Krankenhaus zweckentfremdet.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Klostergebäude von der deutschen Wehrmacht besetzt.

1948 wurde die Klosterkirche durch Papst Pius XII zur Basilika erhoben; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Abt Jan Anastaz Opasek verhaftet und die Mönche deportiert.

Bis1990 wurde das Gebäude als Archiv des Innenministeriums der ehemaligen Tschechoslowakei benutzt.

Nach Rückkehr des Abtes Opasek wurde das Kloster mit Hilfe ausländischer Glaubensbrüder erneut hergerichtet.

Heute wird es wieder von Benediktinermönchen belebt, deren Anzahl denen des Gründungsjahres um 993 n. Chr. nahekommt.

Innenansicht der Basilika des Klosters Břevnov

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Im April 2019 hat der Verfasser eine weitere von der Sdruženi Ackermann-Gemeinde organisierte Veranstaltung besucht. Unter dem Motto

Freiheit

Bestandsaufnahme 30 Jahre nach dem Aufbruch von 1989

im Rahmen des

XXVIII. Brunner Symposiums

fanden sich Teilnehmer aus vielen Ländern der Europäischen Union zusammen.

Da beide Berichte das Format unseres Vereinsorgans sprengen wurden, wird über diese Veranstaltung ein gesonderter Bericht erstellt, der auf der Webseite unseres Vereins www.vdd-teschner-schlesien.eu veröffentlicht wird.

Heinrich Hüsken