Liebe Mitglieder, Freunde, Unterstützer und Förderer der Sdružení Ackermann-Gemeinde,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass die traditionelle Winterkonferenz der Ackermann-Gemeinde im kommenden Jahr nicht stattfinden kann.
Die vollständige Erklärung der SAG-Leitung finden Sie HIER.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen alles Gute für das Jahr 2026.
Deutsch-Tschechische Konferenz 2026
06.02. - 08.2026 in Marienbad

Die Sdružení Ackermann-Gemeindelädt Sie in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung herzlich zur diesjährigen Deutsch-Tschechischen Konferenz ein, die sich dem Thema befassen wird:
,,80 Jahre danach – Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit (nicht nur) im tschechischen Grenzgebiet"
Wann:
06.02.2026 - 08.02.2026
Wo: Hotel Orea Cristal, Marienbad
Preis: 120 €
+ Möglichkeit eines Zuschlags von 80 €
für ein Einzelzimmer. Das Angebot ist zahlenmäßig begrenzt.
Ohne folgende Partner wäre dieses Projekt nicht möglich:

Dankeschön!
Anmeldeformular
* Mitglied: eine Person, die Zulassungsinformationen erhalten und den Mitgliedsbeitrag für 2025 entrichtet hat
Einleitungstext zur Konferenz
80 Jahre danach – Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit (nicht nur) im tschechischen Grenzgebiet
Im vergangenen Jahr erinnerten wir bei verschiedenen Gelegenheiten an das Ende des Zweiten Weltkriegs, von dem uns inzwischen bereits acht Jahrzehnte trennen – und dessen Zeitzeugen unter uns nur noch vereinzelt anzutreffen sind. Die weitreichenden Folgen dieser größten militärischen Konfrontation der Welt- und europäischen Geschichte, vor allem die bipolare Teilung des Kontinents in West und Ost, sind auch heute noch deutlich spürbar: Fast 40 Jahre nach den demokratischen Revolutionen in Mittel- und Osteuropa scheint der sprichwörtliche Eiserne Vorhang aus den Herzen und Köpfen der Europäer nicht verschwinden zu wollen. Das Kriegsende bedeutete zugleich das definitive Ende des physischen Zusammenlebens von Tschechen und Deutschen auf dem historischen Gebiet Böhmens, Mährens und Schlesiens. Ihre mentale Trennung hatte jedoch bereits früher eingesetzt, genährt durch objektive Prozesse der Nationalisierung und der kapitalistischen Modernisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch die Christen bildeten getrennte, national definierte Institutionen und Vereine und beteten – bildlich gesprochen – an unterschiedlichen Altären, wenn auch noch im Rahmen vormoderner historischer Strukturen (Diözesen, Ordensprovinzen, national gemischt zusammengesetzte Priesterseminare).
Die fragile und unausgewogene Konstruktion der Ersten Tschechoslowakischen Republik (und letztlich der gesamten europäischen Nachkriegsordnung von Versailles) hielt den inneren wie globalen Krisen nicht stand, vor allem jedoch nicht der expansiven Politik des benachbarten nationalsozialistischen Deutschlands. Historische Zäsuren wie der 30. September 1938 (das Münchner Abkommen) oder der 15. März 1939 (die Besetzung des restlichen Tschechoslowakei) sowie der anschließende Ausbruch des Krieges erinnern uns bis heute an die langfristige Unwiderruflichkeit und Unreparierbarkeit des damaligen tschechisch-deutschen Verhältnisses und an dessen tragisches Ende. Das faktische Ende des jahrhundertelangen Zusammenlebens beider "Landesstämme" brachte jedoch nicht das Jahr 1945, sondern erst das darauffolgende Jahr. Erst 1946 wurde nämlich die Entscheidung der Siegermächte vom August 1945 umgesetzt, die von der tschechoslowakischen Regierung unterstützt und teilweise auch initiiert worden war, über den "Transfer" (im Wortlaut des Potsdamer Protokolls: "removal") der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn. Eindrücklich wird dies in einem der Schlussräume des neuen Sudetendeutschen Museums in München veranschaulicht: Koffer, Ranzen, Schubkarren und Kinderwagen – das gesamte bisherige Leben von mehr als zwei Millionen Menschen musste in wenige Gepäckstücke passen, die die "ordnungsgemäß und human zu transferierenden" Deutschen (so das Diktum von Abschnitt XIII des genannten Protokolls) auf dem Weg in ihre neuen, wenn auch nur provisorischen Zufluchtsorte mitnehmen durften – hastig eingerichtete Flüchtlingslager.
Die Geschichte endet jedoch niemals – und auch ein "gutes" oder "schlechtes" Ende währt nicht ewig. Mit dem Abgang der Deutschen aus der Tschechoslowakei entstand im Grenzgebiet eine Art zivilisatorisches Vakuum, ein horror vacui im ökonomischen wie im sozialen Sinne. Zehntausende noch nicht ausgesiedelte Deutsche trugen zwar dazu bei, eine gewisse Kontinuität in traditionellen Wirtschaftszweigen zu sichern (Glas, Porzellan, Maschinenbau und chemische Industrie, Montansektor, Kurwesen), doch die neu ankommende Bevölkerung stammte häufig aus völlig anderen wirtschaftlichen und kulturellen Milieus. Es handelte sich nicht nur um Tschechen aus den inneren Landesteilen, sondern auch um eine heterogene Mischung von Repatrianten aus Wolhynien, Rumänien, Wien oder Schlesien sowie um Slowaken, Roma und sogar um "unerwünschte" Ungarn aus der Südslowakei. Das soziale Experiment mit dem euphemistischen Namen "Erneuerung des Grenzgebiets" beflügelte die Fantasie kommunistischer Planer am grünen Tisch: Das Grenzgebiet sollte zur Lokomotive der sozialistischen Modernisierung werden, wenn nicht gar zu deren Vorzeigeschaufenster. Mit den Folgen dieses gescheiterten Experiments haben wir bis heute zu kämpfen: Die einst überwiegend von Deutschen besiedelten Regionen gehören zu den problematischsten des Landes. Noch immer sind sie geprägt von verlassenen Brownfields nordböhmischer Textilfabriken, stillgelegten Bergwerken, zerstörter Landschaft im sogenannten Beckenraum sowie von abgerissenen oder ausgeplünderten Kirchen und anderen verwüsteten Kulturdenkmälern – in einem Ausmaß, das größer ist als in anderen Teilen der Republik. Die eigentlichen Opfer dieses Experiments waren jedoch vor allem die Menschen: ein niedrigeres Bildungsniveau, geringere Löhne und zugleich eine höhere, strukturell bedingte Arbeitslosigkeit, dazu Verschuldung der Bevölkerung und damit verbundene Zwangsvollstreckungen, Abwanderung junger und talentierter Menschen, Kriminalität … Es ist daher kaum verwunderlich, dass auch die Wählerinnen und Wähler hier häufiger – bisweilen aus Verzweiflung – extremistische oder populistische Parteien unterstützen. Ein horror vacui im geistigen Sinne stellt schließlich die massive Säkularisierung und Entkirchlichung dar, in deren Folge die großen christlichen Kirchen in Tschechien schrittweise auf die sogenannte flächendeckende Seelsorge verzichten: In zahlreichen Dorfkirchen etwa im Karlsbader Raum, im Saazer Land oder im Böhmischen Mittelgebirge finden regelmäßige Gottesdienste nicht mehr statt oder nur noch ausnahmsweise zu Jubiläumswallfahrten.
Dennoch eröffnet gerade das heutige Grenzgebiet neue Möglichkeiten – und dies nicht nur für romantische oder abenteuerliche Naturen: Denn auch hier stirbt die Hoffnung zuletzt. Zur proklamierten "Erneuerung des Grenzgebiets" kommt es tatsächlich, wenn auch langsam und asymmetrisch. Die Menschen interessieren sich zunehmend für die Vergangenheit der Orte, in denen sie leben; zivilgesellschaftliche Initiativen beteiligen sich an der Restaurierung von Kulturdenkmälern, häufig angestoßen durch tatkräftige Unterstützung sudetendeutscher Heimatvertriebener und ihrer Nachkommen. Mit der sich verbessernden Infrastruktur kehrt allmählich auch die industrielle Produktion zurück, weitere Wirtschaftsbereiche entwickeln sich – die Zahl der Inseln "positiver Devianz" nimmt zu. Und dies trotz weiterhin fehlender wirksamer staatlicher Programme oder des Mangels an Mechanismen, wie wir sie aus anderen europäischen Ländern kennen und die dort mehr oder weniger erfolgreich funktionieren, etwa das System des finanziellen Ausgleichs zwischen reichen und ärmeren Schweizer Kantonen oder der horizontale Länderfinanzausgleich zwischen den deutschen Bundesländern. Aufgabe der bevorstehenden Jubiläumskonferenz der Ackermann-Gemeinde wird es nicht nur sein, zu reflektieren, was sich im Grenzgebiet vor 80 Jahren und in der darauffolgenden kommunistischen Epoche ereignet hat, sondern auch zu bewerten, wie hier die postkommunistische Transformation verlaufen ist – verstanden im weitesten Sinne: nicht nur als wirtschaftliche oder politische Transformation, sondern auch als eine "Transformation von Geist und Bewusstsein". Sinnvoll wird dabei auch ein Vergleich der tschechischen Situation mit den Verhältnissen im benachbarten Polen sein, das in den ehemaligen deutschen Ostgebieten, also in den Regionen östlich von Oder und Neiße, ähnliche Probleme zu bewältigen hatte und hat, wenn auch oft unter anderen Voraussetzungen (integraler Transfer homogener Gruppen der polnischen Bevölkerung aus dem heutigen Gebiet der Ukraine, Belarus' oder Litauens) und nicht selten mit anderen Ergebnissen.
Miroslav Kunštát
Mitglied des SAG-Vorstands

