Česko-německo-maďarské setkání v Budapešti

01.01.2019

Sprichst Du europäisch?

Theresa List 

"Miteinander in Mitteleuropa - von der gemeinsamen Vergangenheit in die gemeinsame Zukunft."

Viel kann ich mir unter diesem Thema nicht vorstellen, als ich am 28. Dezember im Zug auf dem Weg nach Budapest sitze. Ich bin unterwegs zur Silvesterbegegnung der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde. Was sich hinter diesem Namen verbirgt, weiß ich auch nicht so recht - schließlich ist es die erste Veranstaltung der JA, an der ich teilnehme.

In der zentral gelegenen Jugendherberge angekommen, treffe ich bald darauf die anderen Teilnehmer. Aber wie spreche ich die jetzt an? Schließlich könnten sie auch aus Tschechien kommen, und ich spreche kein Wort tschechisch (was schon fast peinlich ist, wenn man bedenkt, dass ich fast mein ganzes Leben an der deutsch-tschechischen Grenze verbracht habe). Meine anfängliche Scheu ist schnell abgelegt, als ich merke, dass hier fast jeder deutsch spricht oder von anderen Teilnehmenden übersetzt wird. Und bei einer Tasse heißer Schokolade plaudert es sich ganz hervorragend...

Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen startet auch schon der offizielle Teil: "Kennenlernspiele" stehen auf dem Programm. Sosehr ich mich auch bemühe - die Namen der etwa 35 anderen Teilnehmer verschwinden so rasch aus meinem Gedächtnis, wie Wasser durch ein Sieb läuft. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, dass ich am Ende der Silvesterbegegnung fast jeden hier beim Namen kennen werde, hätte ich denjenigen wohl ausgelacht.

Aber so wie sich mein Gehirn nach und nach mit Namen füllt, so füllt sich auch das Thema "Miteinander in Mitteleuropa" immer mehr mit Inhalt. Im Rahmen von Vorträgen erfahren wir mehr über die Minderheit der Ungarndeutschen hier in Budapest, wir hören von "Fake News" in den slowakischen Medien und diskutieren in Kleingruppen über aktuelle gesellschaftliche Probleme, die jedes unserer Heimatländer betreffen: wie kann die Brücke zwischen arm und reich überwunden werden? Und schafft man es, dass verschiedene Generationen gemeinsam an einem Strang ziehen?

Eines der Programmhighlights war mit Sicherheit das "Model European Parliament", bei dem wir selbst in die Rolle von Europaabgeordneten schlüpfen und unser eigenes (nicht immer ganz ernst gemeintes) Parteiprogramm entwickeln konnten. Und so überrascht es nicht, dass das versammelte "Parlament" am Ende der Sitzung ein umfangreiches Programm zur Miteinbeziehung von Mondsteinin die europäische Wirtschaft beschlossen hat... aber eben auch die Erweiterung des Erasmus-Programms auf Senioren. Dieser lehrreiche und interessante Blick hinter die Kulissen der europäischen Politik hat bei vielen von uns zu der Erkenntnis geführt, dass politische Arbeit mitunter ganz schön kompliziert sein kann.

Außerdem hatten wir trotz des straffen Zeitplans zum Glück mehrfach Gelegenheit, die Stadt mit ihren imposanten Plätzen und schönen historischen Häusern zu erkunden. Einen willkommenen Gegenpol zum betriebsamen Budapest stellten die morgendliche Statio im Jesuitenkolleg und auch ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch dar, bei dem uns die deutsche katholische Gemeinde in Budapest mit großer Gastfreundschaft empfangen hat.

Mit dem neuen Jahr vor der Haustüre widmeten wir uns am 31. Dezember der Vorbereitung der immer näher rückenden Silvesterfeier, indem wir wahlweise die Partydekoration bastelten oder unsere Tanzkenntnisse auffrischten. Der Abend selbst war dann geprägt von ausgelassener Stimmung, einem leckeren Buffet, viel Tanz und natürlich dem Gläserklirren um 24:00 Uhr, umgeben von den zahllosen Feuerwerken Budapests.

Umso schwerer fiel uns allen der Abschied am nächsten Morgen. Dabei bemerkte ich plötzlich, dass ich mittlerweile fast alle Namen kannte. Und mir unter dem Thema "Gemeinsam in Mitteleuropa" deutlich mehr vorstellen konnte, als das noch vor wenigen Tagen der Fall war. Und dass es vielleicht gar nicht darauf ankommt, fließend tschechisch sprechen zu können - denn schließlich sprechen wir alle europäisch.